Konjunkturprogramm mit Flügeln

Der Bau des Airbus A380 hat Tausende Arbeitsplätze in der Region geschaffen. Jetzt bringt der Supervogel sogar noch zahlende Touristen ins Land

Am 24. September wird ein Airbus A380 mit der markanten Kennzeichnung der Fluggesellschaft Emirates in Fuhlsbüttel einschweben. Die Maschine gehört zu den Hauptattraktionen der großen Party, die anlässlich des 100. Geburtstags des Flughafens stattfindet. Einen Tag später beehrt ein A380 der Lufthansa den Flughafen und veranstaltet Rundflüge über Norddeutschland. Aber nicht deshalb ist ein großer Bahnhof für den Riesenflieger angebracht: Die A380 ist ein Konjunkturprogramm mit Flügeln – trotz aller Anlaufschwierigkeiten, die das neue Airbus-Programm bei seinem Start hatte. Emirates, der größte Abnehmer für das größte Passagierflugzeug der Welt, hat nun ausgerechnet, welchen wirtschaftlichen Effekt das Flugzeug hat.

Die Fluggesellschaft vom Golf hat insgesamt 90 Jets vom Typ Airbus A380 fest bestellt. Das entspricht fast 40 Prozent aller bei dem Flugzeugbauer eingegangenen Bestellungen für den A380. 236 Bestellungen von 18 Luftverkehrsgesellschaften gibt es. 55 sind bereits ausgeliefert. Emirates ist größter Kunde mit zusammen 90 Maschinen. Die Lufthansa hat 15 Maschinen des Typs Airbus A380 bestellt, von denen acht bereits ausgeliefert sind. Für Emirates fliegen 15 A380. 75 weitere folgen bis 2018.

“Unsere A380-Bestellungen schaffen über 13 000 direkte, indirekte und induzierte Arbeitsplätze in Deutschland. Emirates ist längst der weltweit größte A380-Betreiber und unsere Kunden sind begeistert von diesem Flugzeugtyp”, sagt Volker Greiner, Vizepräsident bei Emirates und für Nord- und Zentraleuropa zuständig. Weltweit sorge die Massenbestellung sogar für 76 000 Jobs. Greiner beruft sich auf eine Untersuchung der britischen Unternehmensberatung Oxford Economics, in der die weltweiten Auswirkungen der Luftfahrt analysiert werden.

In Deutschland ist Hamburg der größte Profiteur des A380-Programms: 2000 Jobs sind wegen des Riesenfliegers bei Airbus in Finkenwerder entstanden, weil hier das Kompetenzzentrum für die Kabinenausstattung aller A380-Flugzeuge beheimatet ist. Nach der Rumpfmontage fliegen die Maschinen in grüner Grundierung lackiert und ohne Ausstattung von Toulouse aus Frankreich nach Norddeutschland. Hier beginnen die Spezialisten dann mit dem Einbau von Sitzen, Teppichen und weiterem Interieur.

Noch einmal 2000 Arbeitsplätze steuern die Zulieferer in der Hansestadt bei, kalkuliert der Flugzeugbauer. Denn das Interieur ist in Hamburg nicht nur Thema von Airbus. Die Zulieferer entwickeln und fertigen ihre Teile für den A380 mit ihren Dienstleistungen und Produkten weiter. “Durch die Produktion des Airbus A380 wurde ein erheblicher Innovationsschub ausgelöst, der die Kompetenz in der Flugzeuginnenausstattung deutlich verstärkt hat”, sagt Wirtschafsenator Frank Horch. Der Luftfahrtstandort Hamburg sei damit in die erste Liga der Standorte der zivilen Luftfahrtindustrie weltweit katapultiert worden. In Zahlen: “Seit 2000 ist ein Zuwachs der Beschäftigung um 13 000 neue Stellen auf insgesamt 39 000 festzustellen. Das sind über 1000 Arbeitsplätze jährlich”, sagt Horch.

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Die Arbeitsplatzeffekte würden sich aber nicht nur auf Entwicklung und Herstellung bei Airbus und den Lieferanten beziehen. So sei die Hansestadt ja auch Zentrale der Lufthansa Technik. Wenn der A380 im kommerziellen Einsatz unterwegs sei, sicherten Ersatzteilversorgung und regelmäßige Wartung ebenfalls zahlreiche Arbeitsplätze, rechnet der Senator vor. Noch nicht mitgerechnet sind zudem die Jobs, die in der Hotellerie und bei weiteren Dienstleistern in der Hansestadt entstehen, weil jedes Jahr Hunderte von Airline-Angehörigen in Finkenwerder damit beschäftigt sind, die auszuliefernden Maschinen abzunehmen. In Hamburg werden bekannterweise alle A380 ausgeliefert, die an Kunden in Europa oder den Nahen Osten gehen.

Weitere Arbeitsplätze entstehen bei Zulieferern wie dem bayerischen Triebwerkshersteller MTU Aero Engines, der am Bau der Triebwerke für den Emirates-A380 beteiligt ist. Diehl Aerosystems aus Süddeutschland ist mit mehreren Töchtern an der A380 beteiligt. Auch das Hamburger Unternehmen Dasell, Spezialist für Flugzeug-Waschräume und -Bordtoiletten gehört zur Diehl-Gruppe. Der A380 sei für das Unternehmen ein Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte, was zu einem großen Teil der Beschäftigung im Konzern beitrage, sagte Rainer von Borstel, Sprecher des Bereichsvorstandes von Diehl Aerosystems. Insgesamt arbeiten etwa 30 Firmen in Deutschland Airbus zu. Auch die Diehl-Tochter Mühlenberg Interiors liefert Kabinenelemente wie Trennwände und Bordküchen für den A380 und trägt dort zum Erfolg des Unternehmens bei und sichert in Niendorf über 200 Arbeitsplätze, heißt es aus der Wirtschaftsbehörde.

Sönke Fanslow, Vorstand der Hamburger Schifffahrtsgruppe Hansa-Treuhand, ist vom durchschlagenden Erfolg des A380 überzeugt. Als das Emissionshaus gemeinsam mit den Frankfurter Luftfahrtspezialisten Doric Asset seinen ersten Flugzeugfonds auflegte, da war es ein A380 – langfristig verchartert an Emirates. Mittlerweile sind es drei A380 und ein vierter Fonds ist in Vorbereitung. “Der A380 ist das ideale Flugzeug für den Markt der Zukunft”, sagt Fanslow. Bei zunehmenden Fluggastzahlen sei die Maschine das beste Fluggerät, um die großen Flughäfen, Hubs genannt, zu verbinden. In Asien werde die Mittelschicht immer größer und damit auch die Nachfrage nach Geschäftsreisen oder Urlaubsflügen.

“In einem Schwung nimmt die Maschine Hunderte Passagiere mit. Und das zu günstigen Kosten”, sagt Fanslow. Der A380 sei das ökologischste und ökonomischste Passagierflugzeug der Welt. Das Emissionshaus hat seine Riesenflieger für zehn Jahre fest am Emirates verchartert und eine Option für die Verlängerung. Die Entscheidung für den A380 sei auch deshalb gefallen, weil diese Maschine in zehn Jahren absehbar noch die besten Aussichten am Markt haben werde, so Fanslow. Er räumt dem Riesenflieger auch mehr Chancen ein, als dem Konkurrenzmodell 747/8 vom US-Konkurrenten Boeing.

Emirates selbst beschäftigt über 200 Mitarbeiter in Deutschland, die den wachsenden Flugbetrieb der Gesellschaft unterstützen. Seit dem 1. September fliegt die Gesellschaft zweimal täglich von Hamburg nach Dubai. Aus Deutschland gibt es 63 wöchentliche Verbindungen. Auch am Stammsitz in Dubai gebe es deutsche Mitarbeiter in verschiedenen Managementpositionen, als Piloten oder als Kabinenbesatzung. Das Unternehmen hat Jets vom Typ A380, A330 und A350 bestellt. Die Airbus-Produktion dieser drei Flugzeugtypen schaffe direkt, indirekt und bei Zulieferbetrieben weltweit über 300 000 Arbeitsplätze. Emirates-Manager Greiner zitiert nochmals den Oxford-Report. Der besage, dass die deutsche Volkswirtschaft über 500 Millionen US-Dollar (rund 365 Millionen Euro) jährlich verlieren würde, wenn es die Emirates-Verbindungen von den deutschen Abflughäfen nicht geben würde.

Die Studie geht darüber hinaus davon aus, dass die Passagiere, die mit der Golf-Linie nach Deutschland kommen, jährlich mit rund 160 Millionen US-Dollar (116 Millionen Euro) zur deutschen Tourismusindustrie beitragen. Einmal täglich wird bald auch ein A380 von Emirates nach Deutschland kommen. Die Flüge nach München beginnen im Januar 2012.

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